Was sind eigentlich Sperrnächte? Wer ist Frau Percht? Warum wird in den Rauhnächten geräuchert und was hat es mit den 13 Wünschen auf sich?
Rund um die Rauhnächte begegnen uns viele Begriffe, Bräuche und Geschichten. Manche haben ihre Wurzeln im alten Volksglauben, andere gehören zur heutigen spirituellen Rauhnachtspraxis.
In diesem Lexikon erkläre ich dir die wichtigsten Begriffe und verweise auf weiterführende Artikel, wenn du dich mit einem Thema näher beschäftigen möchtest.
Die Rauhnächte und ihre Bedeutung
Rauhnächte
Die Rauhnächte sind eine besondere Zeit rund um den Jahreswechsel. Traditionell werden meist zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar gezählt. Andere Überlieferungen zählen ab der Wintersonnenwende bis zum 2. Januar. Auch die einzelnen Rauhnächte lassen sich unterschiedlich zählen: von einer Abenddämmerung bis zur nächsten oder nach Kalendertagen, also von Mitternacht bis Mitternacht.
Mit den Rauhnächten sind zahlreiche Bräuche verbunden. Früher wurden beispielsweise Haus und Hof ausgeräuchert, Orakel befragt und Geschichten über geheimnisvolle Gestalten erzählt.
Heute nutzen viele Menschen die zwölf Rauhnächte zum Rückblick auf das vergangene Jahr, um zur Ruhe zu kommen und eine Vision für das neue Jahr zu finden.
Weiterlesen: Rauhnächte – Bedeutung, Ursprung und Bräuche
Die zwölf Rauhnächte
Den zwölf Rauhnächten wird jeweils ein Monat des kommenden Jahres zugeordnet. Die erste Rauhnacht steht dann für den Januar, die zweite für den Februar und so weiter. Jede Nacht steht dabei unter einem ganz bestimmten Thema. Einen Überblick und passende Reflexionsfragen findest du in mienem Rauhnachtskalender.
Weiterlesen: Rauhnachtskalender – alle zwölf Nächte im Überblick
Die Zeit vor und nach den Rauhnächten
Sperrnächte
Die Sperrnächte liegen vor den Rauhnächten und werden heute gerne als Zeit der Vorbereitung genutzt. Sie beginnen meist Anfang/Mitte Dezember und enden um die Wintersonnenwende.
Während die Rauhnächte stärker auf das kommende Jahr ausgerichtet sind, geht es in den Sperrnächten vor allem um das vergangene Jahr: Was war wichtig? Was ist noch offen? Und was möchtest du abschließen?
Weiterlesen: Die Sperrnächte – Bedeutung und Rituale
Wintersonnenwende & Jul
Die Wintersonnenwende fällt auf der Nordhalbkugel gewöhnlich auf den 21. oder 22. Dezember. Sie markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres. Danach werden die Tage langsam wieder länger.
Deshalb ist die Wintersonnenwende eng mit der Vorstellung von der Wiederkehr des Lichts verbunden. Manche beginnen bereits zu diesem Zeitpunkt mit ihren Rauhnachtsritualen, etwa dem 13-Wünsche-Ritual.
Jul, auch Yule genannt, ist ein winterliches Fest, dessen Ursprünge unter anderem in nordischen Traditionen liegen. Heute wird Jul häufig zur Wintersonnenwende gefeiert. Dabei stehen die Wiederkehr des Lichts und der Beginn eines neuen Sonnenjahres im Mittelpunkt. Historisch lassen sich Jul und die Wintersonnenwende allerdings nicht vollständig gleichsetzen.
Weiterlesen: Wintersonnenwende – Bedeutung und Rituale
Dreikönigstag
Der 6. Januar ist im christlichen Kalender das Fest der Erscheinung des Herrn, das im Volksmund als Dreikönigstag bekannt ist.
Für viele Menschen endet an diesem Tag die Rauhnachtszeit. Regional gibt es verschiedene Bräuche, darunter Haussegnungen und Räucherungen.
Auch das Ritual der 13 Wünsche wird üblicherweise am Dreikönigstag abgeschlossen.
Rituale und Bräuche der Rauhnächte
Zu den Rauhnachtsritualen gehören traditionelle Bräuche ebenso wie neuere Rituale. Dazu gehören das Räuchern, Orakel und das 13-Wünsche-Ritual.
Räuchern
Das Räuchern gehört zu den bekanntesten Rauhnachtsbräuchen. Dafür werden Kräuter, Harze oder Hölzer zum Glimmen gebracht, sodass sich ihr Duft mit dem Rauch verbreitet.
Früher wurden Haus, Hof und Stall ausgeräuchert, um sie vor Unheil zu schützen. Heute ist das Räuchern für viele Menschen ein bewusstes Ritual, um das alte Jahr zu verabschieden oder das neue zu begrüßen.
Hausräucherung
Bei einer Hausräucherung gehst du mit dem Räucherwerk durch einzelne Räume oder das gesamte Haus.
Je nach Tradition sollte die Räucherung Haus und Bewohner schützen, reinigen oder segnen. Heute wird sie häufig zum Jahreswechsel durchgeführt.
Wenn du selbst räuchern möchtest, achte auf eine feuerfeste Unterlage, gute Belüftung und darauf, dass Kinder und Tiere dem Rauch nicht ausgesetzt werden.
Weiterlesen: Räuchern in den Rauhnächten
Räucherwerk
Zum Räucherwerk gehören verschiedene Kräuter, Harze und Hölzer, die beim Räuchern verwendet werden. Besonders bekannt sind Weihrauch, Wacholder, Beifuß und unterschiedliche Baumharze.
In meinem Räucherlexikon findest du Informationen zu den einzelnen Pflanzen und Harzen, ihrer Verwendung und ihren überlieferten Bedeutungen und Wirkungen.
Weiterlesen: Räucherlexikon – Kräuter, Harze und Hölzer
Die 13 Wünsche
Das Ritual der 13 Wünsche gehört heute zu den beliebtesten Rauhnachtsritualen.
Dafür schreibst du dreizehn Wünsche auf einzelne Zettel und faltest sie so, dass du sie nicht mehr lesen kannst. Während der zwölf Rauhnächte verbrennst du jeden Tag einen Zettel, ohne ihn vorher zu öffnen.
Am Ende bleibt ein Wunsch übrig. Um diesen sollst du dich im kommenden Jahr selbst kümmern.
Weiterlesen: Das Ritual der 13 Wünsche
Orakel
Orakel und Wahrsagebräuche haben in der Rauhnachtszeit eine lange Tradition. Früher versuchte man beispielsweise mit Losen, Runen oder anderen Zeichen herauszufinden, was das kommende Jahr bringen würde.
Heute greifen viele Menschen zu Orakelkarten oder Tarotkarten. Du kannst sie nutzen, um dich mit einer Frage zu beschäftigen oder einen neuen Blick auf ein Thema zu bekommen.
Weiterlesen: Orakeln in den Rauhnächten – die Zeit der Losnächte für dich nutzen
Träume, Zeichen und spirituelle Deutungen
Rauhnachtsträume
Träumen wird während der Rauhnächte traditionell eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Manche Menschen glauben, dass die Träume dieser Nächte Hinweise auf das kommende Jahr enthalten.
Wenn du mit der Monatszuordnung arbeitest, kannst du deine Träume der jeweiligen Rauhnacht zuordnen.
Du kannst sie aber auch einfach als Anregung nutzen, dich mit deinen Gedanken, Gefühlen und persönlichen Themen zu beschäftigen.
Weiterlesen: Warum Träume in den Rauhnächten so besonders sind
Traumtagebuch
In einem Traumtagebuch notierst du morgens, woran du dich aus der Nacht erinnerst. Das können ganze Traumgeschichten sein, aber auch einzelne Bilder, Gefühle oder kurze Szenen.
Während der Rauhnächte kann es interessant sein, auf wiederkehrende Motive zu achten oder die eigenen Träume später noch einmal zu lesen.
In meinem Rauhnächte-Workbook, im Rauhnächte Ritual Set, sowie im Erinnerungsjournal und im 5-Jahres-Erinnerungsbuch ist Platz für deine Träume.
Portaltage und Jahreskreisfeste
Portaltage
Portaltage sind ein Begriff aus der modernen Esoterik. Sie werden anhand eines Kalendersystems berechnet, das sich auf den Maya-Kalender bezieht.
Diesen Tagen wird eine besondere energetische Bedeutung zugeschrieben. Mit den traditionellen Rauhnachtsbräuchen haben sie allerdings keinen direkten Zusammenhang.
Weiterlesen: Portaltage – Bedeutung und Kalender
Jahreskreisfeste
Die acht Jahreskreisfeste stehen für den Wechsel der Jahreszeiten. Dazu gehören die Sonnenwenden, die Tagundnachtgleichen und vier weitere Feste dazwischen, die sich nach dem Mond richten.
Die Jahreskreisfeste sind Samhain, Jul, Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh und Mabon. Ihre Ursprünge sind unterschiedlich. Der heute gebräuchliche achtteilige Jahreskreis ist eine moderne Zusammenstellung.
Besonders Jul und die Wintersonnenwende stehen in enger Verbindung mit der heutigen Rauhnachtspraxis.
Weiterlesen: Die acht Jahreskreisfeste im Überblick
Mythen und Gestalten der Rauhnächte
Um die Rauhnächte ranken sich zahlreiche Sagen und Geschichten. Besonders in den langen Winternächten fürchteten sich die Menschen vor Geistern, unheimlichen Erscheinungen und wilden Gestalten, die draußen ihr Unwesen treiben sollten.
Mancherorts galt es deshalb als gefährlich, nachts das Haus zu verlassen oder Wäsche im Freien aufzuhängen. Auch bestimmte Arbeiten sollten während der Rauhnächte ruhen.
Welche Gestalten mit diesen Vorstellungen verbunden wurden, unterschied sich von Region zu Region.
Frau Holle
Frau Holle kennen die meisten aus dem Märchen der Brüder Grimm. Doch auch im Volksglauben spielt sie eine Rolle, insbesondere in mitteldeutschen Überlieferungen.
In manchen Sagen zieht Frau Holle während der zwölf Nächte umher und schaut nach, ob die Menschen ihre Arbeit erledigt und die vorgeschriebenen Ruhezeiten eingehalten haben. Besonders das Spinnen und die Arbeit mit Flachs spielen dabei eine Rolle. Wer fleißig war und die Regeln beachtete, konnte auf ihren Segen hoffen. Wer dagegen gegen die Verbote verstieß, musste mit Strafen rechnen.
Frau Holle erscheint in diesen Erzählungen also nicht nur als freundliche Märchengestalt, sondern auch als strenge Hüterin der winterlichen Ordnung. Häufig wird sie auch mit Frau Percht gleichgesetzt.
Frau Percht
Frau Percht, auch Perchta oder Berchta genannt, gehört vor allem zum süddeutschen und alpenländischen Volksglauben. Ihr Name begegnet uns besonders im Zusammenhang mit den Rauhnächten und der Zeit um den Dreikönigstag.
Ähnlich wie Frau Holle wacht sie in manchen Überlieferungen darüber, dass bestimmte Arbeiten rechtzeitig abgeschlossen werden und die Menschen die geltenden Regeln einhalten.
Dabei kann Percht sowohl wohlwollend als auch furchteinflößend auftreten. Besonders bekannt sind die Erzählungen über ihre nächtlichen Besuche und die Strafen, die sie bei Verstößen gegen die überlieferten Gebote verhängen soll.
Mit dem 6. Januar, der regional auch als Perchtennacht bezeichnet wird, ist sie besonders eng verbunden.
Die Wilde Jagd
Die Wilde Jagd gehört zu den bekanntesten Sagenmotiven der Rauhnächte. Der Überlieferung nach zieht in stürmischen Winternächten ein gespenstischer Zug durch die Lüfte, begleitet von lautem Getöse, Hundegebell und unheimlichen Rufen.
Je nach Region wird die Wilde Jagd von unterschiedlichen Gestalten angeführt, darunter Wotan beziehungsweise Odin oder auch Frau Holle.
Während der Rauhnächte, so hieß es mancherorts, sollte man nachts besser im Haus bleiben und sich nicht in den Weg dieses Geisterzuges stellen.
Auch das Verbot, Wäsche zwischen den Jahren draußen aufzuhängen, wird in manchen Erzählungen mit der Wilden Jagd verbunden. Die Geister könnten sich darin verfangen oder die aufgehängten Tücher als Leichentücher verwenden.
Perchten und Perchtenlauf
In Teilen des Alpenraums gehören Perchtenläufe bis heute zu den bekanntesten Bräuchen der Winterzeit.
Dabei ziehen maskierte Gestalten mit Fellen, Glocken und teilweise furchteinflößenden Holzmasken durch die Straßen. Häufig unterscheidet man zwischen Schönperchten und Schiachperchten, also schönen und hässlichen beziehungsweise schaurigen Perchten.
Die Auftritte werden heute oft mit dem Vertreiben böser Geister und der dunklen Winterzeit in Verbindung gebracht.
Allerdings sind nicht alle heutigen Perchtenläufe unverändert überlieferte alte Bräuche. Viele Formen haben sich erst im Laufe der Zeit entwickelt oder wurden neu gestaltet.
Besonders rund um die Rauhnächte und den Dreikönigstag sind Perchtenläufe in verschiedenen Alpenregionen bis heute beliebt.
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